In meinem heutigen Beitrag geht es mir um ein Element des gemeinsamen Austauschs: das achtsame Zuhören. Wenn wir uns mal selbst ehrlich beobachten, würden wir dann einschätzen, dass wir dem anderen wahrhaftig noch zuhören? Das wir ihm wahrhaftig unsere totale Aufmerksamkeit im Gespräch schenken: nicht mit dem Handy spielen, nicht die Einkaufswaren in den Schrank räumen, nicht der Musik im Hintergrund lauschen, nicht die vorbeigehenden Menschen beobachten, nicht in Gedanken irgendwo anders zu sein. Können wir uns wirklich auf den anderen Menschen einlassen und ihm unsere ungeteilte Präsenz schenken. Können wir auch wahrnehmen, was sich vielleicht hinter seinen Worten verbirgt. Wahrnehmen – ohne es zu thematisieren. Können wir ihm offenes Verständnis schenken und auch den Raum geben, dass er erstmal nur reden kann. Dabei ist es aus meiner Sicht auch wichtig, dass der andere ungefiltert erstmal alles ausspricht – sich von der Seele redet, ohne Unterbrechung. Und dabei gestaltet es sich teilweise schwer, dies auszuhalten. Besonders dann, wenn wir persönlich eine andere Meinung haben oder erkennen, dass das Gesagte nicht der Realität entspricht oder der Sprechende sich „verrannt“ hat. Es ist eine spannende Selbstbeobachtung, sich in den Gesprächen bewusst als aktiver Zuhören zu definieren und dem anderen wertungsfrei ein offenes Ohr und ein offenes Herz zu schenken. Wertungsfrei auch in dem Sinne, dass wir darauf achten, inwieweit wir anfangen zu interpretieren, zu vermuten, unsere eigene subjektive Erfahrung mit dem Gesagten vermischen. Dazu gehört auch das Beobachten der inneren Reaktionen: wo kommt Gegenwehr hoch, Ablehnung, Bewertung, Unruhe, Anspannung, Aggressivität, eigener Schmerz, Verständnis. Es geht dabei nicht um das Aktivwerden, um dem anderen eine Lösung zu präsentieren oder gute Ratschläge zu geben. Es geht um das mitfühlende achtsame Dasein im gegenwärtigen Augenblick des Gespräches. Mitfühlendes Dasein für ein wahres Miteinander. Dieser Bestandteil des Gespräches bedarf auch Mut und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und auch Geduld. Geduld mit sich selbst. Es ist jedoch eine wunderbare Lernlektion über die eigenen Aufgaben zur Entwicklung.





